
Ein Regenbogen als Ouvertüre
Am Samstagabend, 18. Juli 2026, setzte bereits vor dem ersten Ton die Natur einen stimmungsvollen Akzent: Ein leuchtender Regenbogen spannte sich über die Grubenberghütte und schien den Konzertabend des Trios Die Rote Zora symbolträchtig einzuläuten.
Rund um die bekannte Sängerin, Jodlerin und Schauspielerin Christine Lauterburg, die 2021 mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet wurde, entführten Barbara Berger und Nathalie Huber das Publikum auf eine musikalische Reise, die weit über die Grenzen der Schweiz hinausführte. Die Jodelklänge machten Zwischenhalt in Österreich, Georgien und sogar in Japan, ehe sie wieder in den Schweizer Alpen ankamen. Dabei zeigte sich eindrücklich, wie vielfältig und grenzenlos sich die Jodeltradition interpretieren lässt.
Mal lüpfig und verspielt, mal improvisiert oder nachdenklich und melancholisch – das abwechslungsreiche Programm überraschte immer wieder mit neuen Klangfarben. Traditioneller Naturjodel traf auf Country-Einflüsse, Troubadour-Lieder und Eigenkompositionen. Auch instrumental bewies das Trio Vielseitigkeit: Barbara Berger begleitete einzelne Stücke auf der Schruttibox, Nathalie Huber griff zur Ukulele und setzte damit zusätzliche musikalische Akzente.
Zu den Höhepunkten des Abends gehörte das mehrstimmig vorgetragene Appenzeller Zäuerli «Märzen», bei dem auch das Publikum eingeladen war mitzusingen. Die ineinanderfliessenden Stimmen erfüllten die Gaststube der Grubenberghütte mit einer eindrücklichen Klangfülle und sorgten für einen jener Momente, in denen Musik unmittelbar berührt.
Mit viel Charme und augenzwinkerndem Humor begeisterte Christine Lauterburg unter anderem mit ihrer stimmlichen Interpretation des «Heimetvogels», bei der sie täuschend echte Vogelstimmen erklingen liess. Ebenso sorgte ihre Eigenkomposition «My Wäg» mit ihren verspielten Katzenlauten für heitere Überraschung und herzhaftes Schmunzeln im Publikum. Natürlich durfte auch das Titelstück des Films «Die Rote Zora» nicht fehlen.
Der flackernde Kerzenschein, die warme Atmosphäre der Grubenberghütte und die Nähe zwischen Künstlerinnen und Publikum verliehen dem Konzert eine besondere Intensität. Immer wieder wurde gemeinsam gesungen, gelacht und gelauscht. Als die letzten Töne verklungen waren, blieb der Eindruck eines aussergewöhnlichen Konzertabends zurück – eines Abends, der eindrücklich zeigte, wie lebendig, wandelbar und verbindend Jodelmusik sein kann.
Text: Ruedi Hählen
Fotos: Ruedi Hählen und Ans Cotting
